
Das Glitzern der Ablenkung. Kennst du das? Du sitzt im Meeting, jemand erzählt begeistert von einem neuen Tool oder einer innovativen Methode – und sofort denkst du: »Das klingt genial, das probieren wir aus!«. Kaum gestartet, taucht schon die nächste glänzende Idee auf. Am Ende stapeln sich halbfertige Projekte und du hast viele offene Baustellen, dein Team ist verwirrt und du selbst fragst dich: »Warum komme ich nicht voran?«. Willkommen im Shiny Object Syndrom (SOS) – eine Falle, in die Führungskräfte und Wissensarbeiter besonders leicht geraten.
Warum wir so leicht reinfallen
Die Folgen des Shiny Object Syndroms
So stoppst du das SOS
Reflexionsfragen für dich
Quick Wins für deinen Alltag
Fazit: Innvation mit Substanz
Dein nächster Schritt

Warum springen wir so schnell auf jede neue Idee? Die Antwort liegt nicht nur im Kalender voller Meetings, sondern tief in unserem Kopf.
1. Der Dopamin-Kick
Neues fühlt sich gut an. Jedes Mal, wenn du ein Tool ausprobierst oder eine frische Methode entdeckst, schüttet dein Gehirn Dopamin aus. Das ist derselbe Stoff, der dich nach einem guten Workout oder einem Like auf LinkedIn kurz euphorisch macht. Problem: Der Kick ist flüchtig. Nach kurzer Zeit ist die Begeisterung weg – und du jagst schon dem nächsten Glitzern hinterher.
2. FOMO – die Angst, etwas zu verpassen
»Wenn ich dieses Tool nicht teste, bin ich morgen schon abgehängt.« Genau dieses Gefühl treibt viele Führungskräfte an. Studien zeigen: FOMO fragmentiert unsere Aufmerksamkeit und lässt uns Entscheidungen treffen, die mehr mit Angst als mit Strategie zu tun haben.
3. Scarcity Mindset – das Mangeldenken
Gerade in unsicheren Zeiten entsteht der Reflex: »Ich muss jede Chance ergreifen, sonst bekomme ich später keine mehr.« Besonders junge Fachkräfte nehmen fast jede Gelegenheit an – aus Angst, übersehen zu werden. Das Ergebnis: Überlastung, Burnout und ironischerweise weniger Raum für die wirklich wertvollen Chancen.
4. Selbstwert-Dynamik
Viele Führungskräfte wollen beweisen, dass sie innovativ sind. SOS wird so zum Statussignal: »Schaut her, ich bin vorne dabei.« Doch wenn die Projekte reihenweise versanden, kippt das Signal ins Gegenteil – Glaubwürdigkeit geht verloren.
5. Macht und Ungleichheit
Psychologisch brisant: Nicht alle können gleich leicht Nein sagen. Frauen und unterrepräsentierte Gruppen erleben oft den sogenannten »Minority Tax« – zusätzliche Aufgaben, die nicht honoriert werden. Das verstärkt den Druck, immer Ja zu sagen, selbst wenn es die eigene Produktivität untergräbt.
💡 Impuls für dich
Mach dir bewusst: SOS ist kein persönlicher Fehler, sondern ein neuropsychologisches Muster, das wir alle teilen. Der Unterschied liegt darin, ob du es erkennst – und ob du bewusst gegensteuerst.
👉 Nimm dir heute fünf Minuten und frag dich:
– Wo habe ich zuletzt dem Dopamin-Kick nachgegeben?
– Welche Entscheidung war mehr von FOMO als von Strategie getrieben?
– Welche Gelegenheit habe ich angenommen, obwohl sie nicht zu meinen Top-Zielen passte?
Schon diese Reflexion bringt dich einen Schritt raus aus der Falle.

Das SOS klingt harmlos – ein bisschen Neugier, ein bisschen Experimentierfreude. Es ist aber ein echter Produktivitätskiller. Die Auswirkungen sind gravierend, gerade in Organisationen, die auf Fokus und Glaubwürdigkeit angewiesen sind.
1. Strategische Zersplitterung
Stell dir deine Strategie wie eine Landkarte vor. Mit SOS sieht sie bald aus wie ein chaotisches Labyrinth: überall kleine Abzweigungen, aber kein klarer Weg zum Ziel. Ressourcen werden auf viele Mini-Projekte verteilt, statt auf die großen Hebel. Ergebnis: viel Bewegung, wenig Fortschritt.
2. Vertrauensverlust im Team
Mitarbeitende sind nicht blind. Sie merken, wenn Projekte ständig gestartet und wieder verworfen werden. Die Folge: Skepsis. Statt Begeisterung entsteht der Gedanke: »Warten wir lieber ab, bis sich das wieder ändert.« – und Motivation sinkt. Glaubwürdigkeit als Führungskraft leidet.
3. Produktivitätsfalle
SOS frisst Zeit und Energie. Du jonglierst mit Tools, Methoden und Initiativen, aber am Ende bleibt wenig Substanz. Das Team verbringt mehr Zeit mit Umstellungen als mit echter Arbeit. Ein Projektmanagement-Tool hier, ein neues Meeting-Format dort – und die eigentliche Aufgabe bleibt liegen.
4. Innovationsmüdigkeit
Ironischerweise killt SOS genau das, was es befeuern soll: Innovation. Wenn jede neue Idee als »das nächste große Ding« verkauft wird, stumpfen Teams ab. Sie hören irgendwann nicht mehr zu, weil sie gelernt haben: »Das hält sowieso nicht lange.«
5. Ungleichheiten verstärken sich
Frauen und unterrepräsentierte Gruppen erleben oft den »Minority Tax« – zusätzliche Aufgaben, die nicht honoriert werden. SOS verschärft das Problem, weil gerade diese Personen häufiger gefragt werden, neue Projekte zu übernehmen. Das führt zu Überlastung und bremst ihre Karriereentwicklung.
💡 Impuls für dich
Frag dich bei jeder neuen Idee:
– Strategisch: Hilft sie wirklich, meine Top-Ziele zu erreichen?
– Kulturell: Stärkt sie Vertrauen im Team – oder untergräbt sie es
– Produktiv: Führt sie zu sichtbaren Ergebnissen – oder nur zu mehr Chaos?
👉 Wenn du merkst, dass die Antwort eher »Chaos« lautet, dann ist es Zeit für ein klares Nein.

Die schlechte Nachricht: SOS lässt sich nicht »abschalten«. Die gute Nachricht: Du kannst lernen, es zu managen und dich bewusst gegen SOS wappnen. Entscheidend ist, Klarheit und Disziplin in deinen Alltag zu bringen. Die Lösung ist nicht, Neues zu ignorieren. Es geht um Balance.
Quick Win: Nimm dir heute 15 Minuten und beantworte drei Fragen aus den sechs Entscheidungs-Domänen (findest du zum Download am Ende des Artikels). Schon dadurch gewinnst du Klarheit!

Welche Projekte hast du in den letzten sechs Monaten gestartet – und wie viele davon abgeschlossen?
Wo hast du dein Team durch ständige Kurswechseln eher verwirrt als inspiriert?
Welche Ideen liegen auf dem Tisch, die du besser »parken« würdest, statt sie sofort umzusetzen?
Montags-Fokus: Starte die Woche mit einem klaren Statement: »Das sind unsere drei Prioritäten.«
Ideen-Parkbank sichtbar machen: Nutze ein gemeinsames Dokument oder Whiteboard, damit dein Team sieht: Ideen verschwinden nicht, sie werden gesammelt.
Erfolge feiern: Mach sichtbar, was abgeschlossen wurde. Das stärkt Glaubwürdigkeit und Motivation.


Das Shiny Object Syndrom ist kein Zeichen mangelnder Kompetenz – es zeigt nur, wie stark wir alle dem Innovationsdruck ausgesetzt sind. Entscheidend ist, Neues kritisch zu prüfen, ohne den roten Faden zu verlieren.
👉 Leitgedanke: »Innovation ja – aber mit Fokus und Substanz.«
Wenn du merkst, dass dich das Shiny Object Syndrom immer wieder aus der Spur bringt, dann ist jetzt der Moment, bewusst gegenzusteuern. Fang klein an: Schreib deine drei wichtigsten Ziele für die nächsten 90 Tage auf – und prüfe jede neue Idee daran.
Wenn du merkst, dass dich das Shiny Object Syndrom immer wieder aus der Spur bringt, dann ist jetzt der Moment, bewusst gegenzusteuern. Fang klein an: Schreib deine drei wichtigsten Ziele für die nächsten 90 Tage auf – und prüfe jede neue Idee daran.
👉 Und wenn du dir dabei Unterstützung wünschst: Hol dir die 30 Entscheidungsfragen aus den sechs Domänen (Big Picture, Kontext, Person, Team, Rolle, Outcomes) in einer kompakten Checkliste für Führungskräfte als Download, um deine Prioritäten klar zu strukturieren.
Klick jetzt und starte heute deinen Weg raus aus dem Shiny Object Syndrom!
Quellen:




